Effizienter Gewaltschutz beginnt mit Synergie: Vernetzen, Schützen, Handeln
Soziallandesrat Hannes Amesbauer lud zum Gewaltschutzbeirat. Breites Netzwerk aus Behörden, Einrichtungen und Experten wird weiter gestärkt.

Graz (29. Juni 2026).- Gewalt an Frauen und Kindern lässt sich nicht allein durch politische Beschlüsse aus der Welt schaffen. Was Politik aber sehr wohl leisten kann, ist ein verlässliches Netz aus Hilfe, Schutz, Prävention und fachlichem Austausch sicherzustellen. Genau dafür ist der steirische Gewaltschutzbeirat ein wichtiges Gremium. Er bringt jene Stellen zusammen, die in der Praxis täglich mit Gewalt, Krisen, Schutzmaßnahmen und Beratung befasst sind.
Nachdem im Jahr 2025 aufgrund des verheerenden Amoklaufs in Graz kein Gewaltschutzbeirat stattgefunden hat, trat das Gremium heute (29. Juni 2026) erstmals wieder zusammen. Im vergangenen Jahr lag der fachliche Schwerpunkt auf dem Beirat für Gewaltprävention und zahlreichen Arbeitsgruppen unter Bildungslandesrat Stefan Hermann, die im Zusammenhang mit dem Amoklauf eingerichtet wurden. Für Landesrat Hannes Amesbauer ist der Gewaltschutzbeirat ein zentrales Gremium, um den Schutz von Frauen und Kindern in der Steiermark weiterzuentwickeln, bestehende Maßnahmen zu erörtern und aktuelle Herausforderungen offen anzusprechen. Das Vernetzungsformat bringt staatliche und nicht-staatliche Organisationen sowie Politik und Verwaltung zusammen. Die Ergebnisse aus dem Beirat und seinen Arbeitsgruppen bilden eine wichtige Grundlage für erforderliche Maßnahmen des Landes.
„Gerade bei einem so sensiblen und komplexen Thema wie dem Gewaltschutz ist der direkte fachliche Austausch unverzichtbar. Getreu dem Credo ‚Vernetzen, Schützen, Handeln‘ ist diese Plattform ein wichtiges Instrument, um Prävention, Schutz und Zusammenarbeit in der Steiermark weiter zu stärken“, betont Soziallandesrat Hannes Amesbauer.
„Jede Frau und jedes Kind muss sich darauf verlassen können, in einer Notsituation rasch Hilfe zu bekommen. Dafür braucht es starke Einrichtungen, engagierte Expertinnen und Experten und vor allem eine enge Zusammenarbeit aller, die Verantwortung tragen. Gewalt zu verhindern und Betroffene zu schützen, ist keine Aufgabe Einzelner, sondern ein gemeinsamer Auftrag an unsere gesamte Gesellschaft. Ich begrüße es sehr, dass nach unserem Netzwerktreffen gegen Gewalt an Frauen nun auch der Gewaltschutzbeirat wieder zusammenkommt. Gerade der regelmäßige Austausch und die enge Vernetzung aller Beteiligten sind entscheidend, um den Gewaltschutz in der Steiermark laufend weiterzuentwickeln“, so Landeshauptmann-Stv. Manuela Khom.
Die Steiermark verfügt über ein umfassendes und engmaschiges Netzwerk an Schutz- und Unterstützungseinrichtungen für von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder. Dazu zählen zwei Frauenhäuser in Graz und Kapfenberg, acht Kinderschutzzentren sowie das Gewaltschutzzentrum Steiermark mit mehreren regionalen Außenstellen. Damit ist eine wohnortnahe Versorgung in allen Landesteilen gewährleistet.
Eine besondere Stellung nimmt die Steiermark auch im bundesweiten Vergleich ein. Sie ist das einzige Bundesland Österreichs, in dem durch das Steiermärkische Gewaltschutzeinrichtungsgesetz ein gesetzlicher Rechtsanspruch auf Unterbringung in einer Schutzunterkunft für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder verankert ist. Frauen in akuten Gefahrensituationen erhalten damit ohne Wartefrist Zugang zu einer sicheren Unterkunft.
„Wer von Gewalt betroffen ist, darf nicht im bürokratischen Nirgendwo landen. Von Gewalt betroffene Frauen und Kinder benötigen im Ernstfall rasche Hilfe, sichere Rückzugsorte und professionelle Ansprechpartner. Genau dafür stehen unsere Einrichtungen in der Steiermark“, unterstreicht Amesbauer.
Ein zentraler Bestandteil der steirischen Gewaltschutzarbeit ist ein strukturierter Maßnahmenplan, der auch im Rahmen des heutigen (29. Juni 2026) Beirats thematisiert wurde. Dieser umfasst unter anderem die Bereitstellung von Übergangswohnungen, das einheitliche Hilfetelefon für Fälle von Beziehungskrisen und häuslicher Gewalt, Bewusstseinsbildungsmaßnahmen sowie den Ausbau regionaler Gewaltambulanzen durch telemedizinische Angebote.
Seit Juli 2025 stehen steiermarkweit insgesamt 20 Übergangswohnungen für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder zur Verfügung. Diese befinden sich in Graz, Kapfenberg, Deutschlandsberg, Leibnitz, Bruck an der Mur, Leoben, Liezen, Gratkorn und Feldbach. Sie übernehmen eine wichtige Brückenfunktion zwischen einer Schutzunterkunft und einem eigenständigen Leben. Ergänzend stehen in den steirischen Regionen sechs Krisenwohnungen zur Verfügung. Diese richten sich an Frauen, die sich nicht in einer akuten Gefährdungslage befinden, aber vorübergehend Unterstützung, Begleitung und Stabilisierung benötigen.
Auch die Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung werden weiter ausgebaut. Das seit 2023 bestehende „Hilfetelefon bei Beziehungsproblemen und Beziehungsgewalt“ wurde zum Projekt „BeziehungsCheck – Ist das noch okay?“ weiterentwickelt. Das Angebot soll Menschen ermutigen, frühzeitig über Beziehungsprobleme zu sprechen, Warnsignale zu erkennen und Gewalteskalationen zu verhindern. Besonders wichtig ist dabei die Sensibilisierung von Jugendlichen, Erwachsenen und älteren Frauen.
Ein weiterer öffentlichkeitswirksamer Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit der Handelskette SPAR. Durch den Hinweis auf das Hilfetelefon auf Kassenbons wird das Angebot breiter sichtbar gemacht und niederschwellig in den Alltag der Menschen getragen.
Ebenfalls gestärkt wird der klinisch-forensische Gewaltschutz. Seit Mai 2024 leistet die Gewaltambulanz an der Medizinischen Universität Graz im Rahmen des Pilotprojekts „Modellregion Süd“ wichtige Pionierarbeit. Ergänzend unterstützt das Land Steiermark das Pilotprojekt Telemedizin, um die regionale Versorgung, die niederschwellige Dokumentation von Gewaltfällen und den Zugang zu forensischer Expertise weiter auszubauen.
Zur evidenzbasierten Weiterentwicklung der Gewaltschutzarbeit wurde zudem die Studie „Femizidanalyse: Morde und Mordversuche an Frauen im Jahr 2023 in der Steiermark“ in Auftrag gegeben. Untersucht wurden versuchte und vollendete Morddelikte an Frauen im Zeitraum vom 1. Jänner bis 31. Dezember 2023. Im Mittelpunkt standen unter anderem das Hilfesuchverhalten, das soziale Umfeld der Opfer und die Frage, wie bestehende Beratungs- und Unterstützungsangebote wahrgenommen werden.
Trotz angespannter budgetärer Rahmenbedingungen wurde der Förderschwerpunkt Gewaltschutz im Sozialressort deutlich gestärkt. Für 2026 stehen 3,22 Millionen Euro zur Verfügung, nach 2,7 Millionen Euro im Jahr 2025. Das entspricht einem Plus von rund 520.000 Euro beziehungsweise rund 19 Prozent. Auch das Gewaltschutzzentrum Steiermark wurde gezielt gestärkt. Damit setzt das Land ein klares Signal für Schutz, Prävention und Unterstützung der von Gewalt betroffenen Frauen und Kindern.
„In Zeiten einer angespannten Budgetsituation sind klare Schwerpunkte zu setzen. Der Schutz von Frauen und Kindern ist für mich ein solches prioritäres Kernanliegen. Deshalb stärken wir jene Strukturen, die in der Praxis konkrete Hilfe leisten, erprobt sind und gut funktionieren“, so Amesbauer.
Vorausschauend auf den kommenden Gewaltschutzbeirat wird das Thema Frauengesundheit besonders in den Fokus gerückt. Damit soll ein zentraler Aspekt des Gewaltschutzes klarer sichtbar gemacht und fachlich vertieft behandelt werden.
Rückfragehinweis:
Marco Sterk | Büro Landesrat Amesbauer | Mobil: +43 676 8666 6753
Tel. +43 (316) 877 6753 | E-Mail: marco.sterk@stmk.gv.at
Anna Spielhofer | Büro LH-Stv. Khom | Mobil: +43 676 8666 4086
Tel. +43 (316) 877 4086 | E-Mail: anna.spielhofer@stmk.gv.at
Graz, am 29. Juni 2026
Rene Kronsteiner unter Tel.: +43 (316) 877-2283, bzw. Mobil: +43 (664) 1236433 und Fax: +43 (316) 877-2294 oder E-Mail: rene.kronsteiner@stmk.gv.at zur Verfügung.
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