Sozialpädiatrie stärken: Vernetzungstreffen setzt Impulse für Kinder und Familien in der Steiermark
Rund 60 Expertinnen und Experten aus Gesundheit, Bildung und Sozialwesen diskutierten Wege zu einer nachhaltigen sozialpädiatrischen Versorgung

Graz (23. Juni 2026).- Auf Einladung der Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark (kija), der Fachgruppe Kinder- und Jugendheilkunde Steiermark sowie der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) fand am 18. Juni 2026 im Wartingersaal ein Vernetzungstreffen zur Sozialpädiatrie statt. Rund 60 Fachpersonen aus den Bereichen Prävention, Diagnostik, Therapie, Bildung, Sozialarbeit, Beratung und Betreuung trafen sich, um die interdisziplinäre Abstimmung zugunsten einer ganzheitlichen Versorgung von Kindern und Familien weiter auszubauen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie Kinder und Familien künftig noch früher, umfassender und bedarfsgerechter unterstützt werden können. Ziel war und ist es, bestehende Versorgungslücken sichtbar zu machen, vorhandene Ressourcen besser zu vernetzen und konkrete Schritte für die nachhaltige Etablierung sozialpädiatrischer Strukturen in der Steiermark zu entwickeln.
„Die teuerste Versorgung ist jene, die zu spät kommt. Wer heute in Prävention, frühe Unterstützung und gute Zusammenarbeit investiert, stärkt nicht nur Kinder und Familien, sondern handelt auch gesellschaftlich und wirtschaftlich nachhaltig”, betonte Michaela Tappauf, Mitinitiatorin „Forum Sozialpädiatrie”.
Hans Jürgen Dornbusch, Fachgruppenobmann für Kinder- und Jugendheilkunde Steiermark: „Voraussetzung für eine funktionierende Sozialpädiatrie ist neben Optimierung und guter Vernetzung der vorhandenen Strukturen die enge Zusammenarbeit mit einer übergeordneten kontinuierlichen pädiatrischen Primärversorgung. Dies erfordert mehr Kassenplanstellen am Land über weitere Attraktivierungsmaßnahmen durch entschlossene, nachhaltige politische Unterstützung für das große Fach Kinder- und Jugendheilkunde.”
Die Teilnehmenden diskutierten aktuelle Herausforderungen an den Schnittstellen zwischen Gesundheitswesen, Kinder- und Jugendhilfe, Bildung und psychosozialer Versorgung. Im Fokus standen Fragen nach bestehenden Versorgungslücken, der besseren Nutzung vorhandener Angebote und Ressourcen sowie den strukturellen Voraussetzungen für eine starke und zukunftsorientierte Sozialpädiatrie in der Steiermark.
Reinhold Kerbl, Leitung Kinder- und Jugendheilkunde LKH Hochsteiermark und Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde unterstrich: „Für Familien mit sozialpädiatrischen Bedürfnissen ist es oft schwer, den richtigen Weg durch den Dschungel zu finden. Eine Wegbeschreibung durch Netzwerkbildung und eine Abstimmung kann dabei sehr helfen.”
Aus kinderschutzrechtlicher Perspektive kommt der Sozialpädiatrie eine zentrale Rolle bei der Förderung psychischer Gesundheit sowie der frühzeitigen Unterstützung von Kindern und Familien zu. Eine wirksame Versorgung erfordert gut abgestimmte Netzwerk- und Kooperationsstrukturen, die vorhandene Kompetenzen bündeln, Versorgungslücken schließen und Doppelstrukturen vermeiden.
Die Veranstalterinnen und Veranstalter zeigten sich überzeugt, dass nachhaltige Verbesserungen insbesondere dort gelingen, wo unterschiedliche Professionen ihr Wissen teilen, Erfahrungen austauschen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Gerade Kinder und Familien mit komplexen Belastungen profitieren von einer abgestimmten Zusammenarbeit aller beteiligten Systeme.
Almuthe Christina Hauer, President Elect der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, fasste zusammen: „Kinder- und Jugendärztinnen sowie Kinder- und Jugendärzte begleiten Familien oft über viele Jahre hinweg und kennen ihre Herausforderungen meist sehr gut. Die größte Versorgungslücke ist dabei häufig nicht das fehlende Angebot, sondern fehlendes Wissen übereinander. Deshalb wollen wir die bestehenden Angebote künftig noch strukturierter, transparenter und verbindlicher miteinander vernetzen – auch vor dem Hintergrund steigenden ökonomischen Drucks. Denn im Idealfall bedeutet Sozialpädiatrie, Wissen miteinander zu teilen, Wege sichtbar zu machen und Familien gezielt zu den passenden Unterstützungsangeboten zu führen.”
Das Vernetzungstreffen setzte wichtige Impulse für den weiteren Ausbau interdisziplinärer Kooperationen und markiert einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltig verankerten Sozialpädiatrie in der Steiermark. Ziel bleibt es, tragfähige Strukturen zu schaffen, die das Kindeswohl stärken und Kindern sowie ihren Familien bestmögliche Entwicklungs- und Teilhabechancen eröffnen.
„Aus kinderrechtlicher Perspektive ist die Sozialpädiatrie ein zentraler Baustein der Prävention und Förderung psychischer Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, da sie Belastungsfaktoren frühzeitig erkennt und bedarfsgerechte Unterstützung koordiniert. Eine wirksame Versorgung erfordert die systematische Nutzung von Netzwerk- und Schnittstellenstrukturen zwischen Gesundheitswesen, Kinder- und Jugendhilfe, Bildungseinrichtungen und weiteren Akteurinnen und Akteuren, um Ressourcen zu bündeln, Versorgungslücken zu vermeiden und Doppelstrukturen abzubauen”, so die steirische Kinder- und Jugendanwältin Denise Schiffrer-Barac abschließend.
Rückfragehinweis:
Birgit Fuchs | Kinder- und Jugendanwaltschaft | Tel: +43 (316) 877-2649| E-Mail: birgit.fuchs@stmk.gv.at
Graz, am 23. Juni 2026
Kommunikation Land Steiermark-Aussendungen unter E-Mail: kommunikation@stmk.gv.at
zur Verfügung.
