„Sicher.Stark.Murtal“ – Krisenvorsorge und Resilienz im Fokus
Top-Referenten informierten in der Bezirkshauptmannschaft Murtal zum Thema aktuelle Bedrohungsbilder und Risikoszenarien.






Judenburg, Graz (24. April 2026).- „Sicher. Stark. Murtal": Unter diesem Motto veranstaltete die Bezirkshauptmannschaft Murtal diese Woche, Dienstag (21. April 2026), eine hochkarätig besetzte Dialog-Veranstaltung. Eingeladen hatte Bezirkshauptfrau Nina Pölzl u.a. den renommierten Militäranalytiker Oberst Markus Reisner von der Theresianischen Militärakademie (Bundesministerium für Landesverteidigung), den Militärexperten Oberst Matthias Wasinger (Bundesministerium für Landesverteidigung), den Leiter des Landesamtes für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung, Rupert Meixner, den Klima-Experten Andreas Gobiet von Geosphere Austria und die beiden Sicherheitsmanager Gilbert Sandner (Stadt Graz) und Christian Gebeshuber (Land Steiermark). In ihren Vorträgen präsentierten die Referenten einen multiperspektivischen Blick auf das hochaktuelle und vielfältige Thema Sicherheit vor rund 100 Gästen: Kommandanten der Einsatzorganisationen, des Bundesheeres, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Geschäftsführer der Betriebe der kritischen Infrastruktur und der Leitbetriebe der Region sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter der wichtigsten Institutionen und Organisationen des Bezirks Murtal.
Landeshauptmann Mario Kunasek bedankte sich in einem einleitenden Videostatement „für diese großartige Initiative. Krisen werden komplexer und betreffen auch das Murtal direkt. Umso wichtiger ist es, gemeinsam vorzusorgen und die Widerstandskraft des Murtals zu stärken. Mit Expertenwissen und praxisnaher Risikoanalyse wollen wir Gefahren frühzeitig erkennen und heute die richtigen Entscheidungen für morgen treffen. Der steirische Katastrophenschutz steht für Verlässlichkeit, Einsatzbereitschaft und Stärke im Ernstfall. Dieses Zusammenspiel aus Erfahrung, Professionalität und Menschlichkeit macht den Katastrophenschutz zu einem unverzichtbaren Rückgrat unserer Sicherheit.“
„Ob geopolitische Entwicklungen, Krisen und Kriege oder auch die Auswirkungen des Klimawandels, in allen Bereichen gewinnt die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung immer mehr an Bedeutung“, unterstrich Bezirkshauptfrau und Gastgeberin Nina Pölzl im Rahmen der Eröffnung des Dialogs. „Daher ist es wichtig, uns der Risiken in Europa, möglicher nationaler Bedrohungslagen und Entwicklungen, die uns in unserer Region direkt betreffen, bewusst zu sein.“
Der Krieg findet auch im unsichtbaren Raum statt
Den großen Rahmen spannte in diesem Zusammenhang der Militäranalytiker und Historiker Markus Reisner – Leiter des Institutes für Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in seiner Keynote. Seine Kern-These: Während der Krieg am Land, in der Luft und zur See sichtbar tobt, testet Russland unsere Wehrhaftigkeit vor allem im Cyber- und Informationsraum. Zielgruppen seien nicht nur Militär und Behörden, sondern wir alle als Gesellschaft.
Hybride Angriffe sind bereits reale Bestandteile moderner Konflikte und ihr Ziel sei es, die Bevölkerung zu demoralisieren, zu destabilisieren, die Deutungshoheit der Staaten zu untergraben und politische Meinungen zu „drehen“. Als Akteure (hinter den Kulissen) nannte Reisner „fünf Bären“: das russische Außenministerium, die Geheimdienste GRU, SVR und FSB und das Verteidigungsministerium.
Der hybride Krieg ist Realität, nur wird er unter der Schwelle der Nachverfolgbarkeit geführt. Diese Grauzone sei ein typisches Element hybrider Methoden. Auch habe der Agent, wie wir ihn alle aus Spionagefilmen kennen, längst ausgedient: heute werden so genannte „Wegwerfagenten“ im Internet für einzelne, kleine Schritte angeworben, um so bspw. Sabotageakte zu setzen. Staaten im Zentrum Europas haben laut Reisner eine besondere Rolle als kritischer Knotenpunkt, Österreich insbesondere als Stromdrehscheibe. Damit werden und sind sie Ziel hybrider Angriffe.
Reisner plädiert dafür, hybride Angriffe gleich ernst zu nehmen wie die „klassische“ Kriegsführung auf dem Schlachtfeld. In diesem Zusammenhang sei die Resilienz der Bevölkerung der entscheidende strategische Faktor für die Zukunft Europas.
Risikobild 2026 – Bedrohungen national und regional
Auf die maßgeblichen Risiken im Jahr 2026, die Österreich unmittelbar betreffen, ging der Militärexperte und -stratege Oberst Matthias Wasinger aus dem Verteidigungsministerium in seinem Vortrag ein: Dazu zählen besonders Cyber-Angriffe, die kognitive Kriegsführung, die Konfrontation Russland-EU sowie das unilaterale Agieren der USA. Wasinger stellte greifbar dar, dass Österreich im Herzen Europas nicht nur mittelbar betroffen, sondern auch direktes Ziel von Angriffen sein kann und bereits ist. Besonders automatisierte, professionelle Cyber-Angriffe werden häufiger. Darüber hinaus besteht eine starke Abhängigkeit von Lieferketten und externeren IT-Dienstleistern. Nachrichtendienstliche Aufklärung, besonders in wirtschafts- und technologienahen Bereichen passiere längst auch in Österreich. Resilienz, Redundanz und Autonomie der Republik Österreich auf den verschiedensten Ebenen zu stärken muss daher gesamtstaatlich mit Nachdruck – ganz im Sinne der umfassenden Landesverteidigung - verfolgt werden, so der Militärexperte.
Feinde des westlichen Lebensmodells im Fokus
Bedrohungslagen in der Steiermark aus staatspolizeilicher Sicht analysierte Rupert Meixner, Leiter des Landesamts für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE)Steiermark. Meixner erläuterte die Aufgaben und Arbeitsweise des Staatsschutzes vor dem Hintergrund seiner fast 20 Jahre Berufserfahrung im Bereich Extremismus- und Terrorismusbekämpfung. Der Staatsschutz versuche alle Phänomenbereiche im Auge zu behalten. Ein Arbeitsschwerpunkt liege aber jedenfalls auf dem Bereich islamistischer Extremismus, wo in der Steiermark eine starke Szene besteht. Nach wie vor erfolgt die Grundradikalisierung in vielen Fällen in Moscheen, aber auch das Internet spiele eine immer maßgeblichere Rolle, auch in Hinblick auf die Raschheit der Radikalisierung – insbesondere bei jungen Menschen. Man versuche im Rahmen der verfügbaren Ressourcen mit Aufklärung wirksam zu werden. So wird durch eigens ausgebildete Beamtinnen und Beamte Präventionsarbeit an Brennpunktschulen geleistet.
Weitere Phänomenbereiche seien der Rechts- und Linksextremismus, aber auch staatsfeindliche Verbindungen stehen weiterhin im Fokus. Die mit 01. Jänner 2027 in Kraft tretende bzw. technisch umgesetzte Messenger-Überwachung sei zu begrüßen, allerdings brauche es laut Meixner auch darüber hinaus eine Weiterentwicklung der rechtlichen Grundlagen, um die Handlungsmöglichkeiten des Staatsschutzes zu verbessern.
Der Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Naturgefahren im Bezirk Murtal
Über die zunehmenden und unbestreitbaren Auswirkungen des Klimawandels auf Naturgefahren im Bezirk Murtal sprach der Top-Klimaforscher Andreas Gobiet von Geosphere Austria. Er gab einen eindrücklichen Einblick in die Grundlagen des Klimawandels, insbesondere in das Zustandekommen des Treibhauseffekts. Besonders spürbar seien die Auswirkungen von Starkniederschlagsereignissen, Dürre führe nicht nur zu erhöhter Brandgefahr, sondern auch zu einem Kippen des Bodenwasserhaushalts.
Im Mittel ist es in Österreich derzeit um drei Grad Celsius wärmer als in vorindustriellen Zeiten. Das ist deutlich mehr als der weltweite Temperaturanstieg von 1,4 Grad Celsius. Ein Anstieg der Temperaturen lässt sich in allen Jahreszeiten feststellen. Gobiet machte klar, dass der Klimawandel nicht mehr rückgängig machbar sei. Das Ziel müsse es aber sein, die aktuelle Situation zu stabilisieren. Klar sei zudem, dass der Klimawandel keine politische, sondern eine rein sachliche Frage sei – und darauf basierend sollten Entscheidungen auch fachlich basiert auf wissenschaftlichen Grundlagen getroffen werden.
Erkennen, bewerten, Maßnahmen setzen – die Grundlagen der Risikoanalyse
Christian Gebeshuber von der Fachabteilung für Katastrophenschutz und Landesverteidigung des Landes Steiermark und Gilbert Sandner, Sicherheitsmanager der Stadt Graz, gaben in ihrem Beitrag einen Einblick in die Grundlagen der Risikoanalyse. Risiken müssen – auf Grundlage nationaler Vorgaben – zuerst identifiziert und dann in Hinblick auf ihre Eintrittswahrscheinlich und den maximal erwartbaren Schaden bewertet werden. Darauf aufbauend gelte es, Maßnahmen zu setzen. Das kann, um ein greifbares Beispiel zu nennen, eine Hochwasserschutzmaßnahme zur Risikominimierung sein oder auch ein Notfallplan zu unmittelbaren Gefahrenabwehr. Die Risiken seien vielfältig. Die Katastrophenschutzbehörden Land Steiermark, Bezirkshauptmannschaften und Gemeinden seien sehr gut aufgestellt, wichtig sei es aber, ein Gesamtbild zu möglichen eintretenden Gefahren zu haben, um sich bestmöglich vorbereiten zu können.
„Der Dialog ist angestoßen, alle diese Themen werden uns in allen relevanten Institutionen auch in den kommenden Jahren herausfordern“, fasste Bezirkshauptfrau Nina Pölzl abschließend zusammen. „Mit ‚Sicher.Stark.Murtal‘ wollen wir sensibilisieren, die Veranstaltung soll aber zugleich der Startschuss für einen vertieften Dialog zum Thema Risikomanagement und Krisenvorsorge sein. Unsere Aufgabe als Bezirkshauptmannschaft wird es weiterhin sein, für Krisen und Katastrophen vorbereitet zu sein und auch die Bevölkerung in diesem Prozess mitzunehmen.“
Judenburg, Graz, 24. April 2026
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