Mediennutzung in Zeiten der Digitalisierung: Neue Herausforderungen für die Forschung

Peter Plaikner analysiert aktuelle Trends, wünscht sich neue Methoden in der Datenerhebung und empfiehlt Faktenchecks.

Peter Plaikner analysierte die heimische Medienlandschaft
Peter Plaikner analysierte die heimische Medienlandschaft© Land Steiermark
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Graz (8.4.2022).- Auf Einladung der Landeskommunikation analysierte Medienexperte Peter Plaikner am gestrigen Donnerstag (07.04.2022) beim mittlerweile 14. Medienfrühling unter dem Titel „Trau, schau, wem?" in einer Online-Veranstaltung die aktuellen Nutzungsdaten und die Informationssicherheit. Die Frage nach den wichtigsten Nachrichtenquellen beantwortet der Digital News Report 2021. Im Unterschied zu anderen Ländern (EU- und weltweit) werden TV-Nachrichten (66,8 Prozent), Radionachrichten (54,2 Prozent), Internetseiten von Zeitungen (44,4 Prozent) und gedruckte Zeitungen (42,4 Prozent) in Österreich überdurchschnittlich zur Informationsbeschaffung genutzt. „In Österreich nutzt noch immer jede zehnte Person die Printzeitung als Hauptnachrichtenquelle, international liegt dieser Wert bei nicht einmal mehr halb so vielen", so Plaikner. Der Experte führt dies vor allem auf die hohe Marktkonzentration bei den Tageszeitungen in Österreich zurück (Grafik siehe  hier).

Was die Erhebung der Leserzahlen durch die Media-Analyse betrifft, wünscht sich Plaikner freilich neue Methoden bei der Datenerhebung. Die jüngste Studie (MA 2021) bescherte ja sowohl der Kleinen Zeitung als auch der Kronenzeitung Rückgänge in de Reichweite. Die Kleine Zeitung kommt demnach in der Steiermark auf 417.000 Leserinnen und Leser, die Krone auf 276.000. Plaikner: „Die Frage nach der Nutzung von Printprodukten könnte die Befragten mittlerweile aber überfordern. Die Zeitung isoliert zu betrachten ist in Zeiten, wo Medienunternehmen unterschiedlichste Kanäle bespielen, nicht ganz zeitgemäß. Es stellt sich wohl eher die Frage, welche Medienmarken ganzheitlich genutzt werden." Die Erhebung aus Auflage (ÖAK) und Reichweite (MA), wonach im Durchschnitt rund zweieinhalb Personen (Mitlesefaktor) auf je eine Ausgabe der Kleinen Zeitung und der Kronenzeitung zugreifen, sei aber realistisch.

Digitales Match
Bei den Reichweiten im Internet kritisiert Plaikner, dass die Daten nur für monatliche Nutzungszeiträume zur Verfügung stehen. Beispiel „Unique User Februar 2022": ORF 13.570.959, Krone 7.748.449, Kleine 3.392.152. Bei der Social-Media-Nutzung, fünf- bis siebenmal pro Woche, liegt nach einer GfK-Studie 2021 WhatsApp vor Facebook, Instagram, Twitter, Facebook-Messenger und Tiktok. „Die Inhalte, die auf diesen Plattformen geteilt werden, stammen freilich oft von klassischen Medienhäusern, die diese Kanäle offensiv bespielen."

Beachtlich sind laut Plaikner die Zahlen für den ORF: „Mit einem Marktanteil von 32 Prozent alleine durch ORF 1 und ORF 2 hält man sich seit Jahren recht stabil." Rechnet man ORF 3 dazu, der mit einem Marktanteil von 2,8 Prozent nahe an die Privaten – ATV (3 Prozent), Puls 4 (3,1 Prozent), Servus TV (3,7 Prozent) – herankommt, seien diese Zahlen noch beeindruckender.

Deutlich zugenommen hat im vergangenen Jahr auch die Bedeutung von Podcasts, die von Medienunternehmen angeboten werden. 58,3 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und 48,2 Prozent der 25- bis 34-Jährigen greifen regelmäßig auf die audivisuellen Angebote zurück, Plaikner: „Aber auch in diesem Bereich stellt sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Ein Problem, das die Verlagshäuser im gesamten Internetauftritt – Bezahlschranken hin oder her – noch immer schwer beschäftigt." Grafik siehe  hier .

Fake News & Faktenchecks
Für Medien sieht Plaikner „Vertrauen als die allerwichtigste Währung" an. Laut Untersuchungen hätten 40 Prozent der Menschen die Befürchtung, im Internet Desinformation serviert zu bekommen (Grafik siehe  hier).„Daher wird es auch immer wichtiger, wie wir dazu kommen können, einer Information zu vertrauen", betont Plaikner mit Verweis auf die vielen Faktencheck-Redaktionen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. „Für den Journalismus heißt das aus meiner Sicht auch: Back to the roots – weniger Meinung, mehr Fakten. Denn an sich gehört dieser Bereich ja auch zum ganz normalen journalistischen Handwerk, dem Recherchieren", unterstreicht Plaikner. „Wichtig dabei ist die Quellenvielfalt. Und dieses Thema macht auch deutlich, wie wichtig die mediale Vielfalt ist." Letztlich entscheide die lokale und regionale Berichterstattungsqualität über die Glaubwürdigkeit der Medien, meint Plaikner. Und der Experte prognostiziert auf Grund des Themas Fake News, dass speziell für den gesamten öffentlich-rechtlichen Bereich der Informationsanteil am Programm noch wichtiger werde.

Ein Video-Interview mit Peter Plaikner finden Sie  hier.

Graz, 8.4.2022

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