Ganz hoch hinaus
Christian Patschok vom Lawinenwarndienst des Landes Steiermark und Johann „Hans“ Stieg, langjähriges Mitglied der Lawinenkommission Tauplitz, sind echte Aufsteiger im Job: Sie warten Wettermess-Stationen im hochalpinen Gelände – grandiose Aussicht gibt es von diesem Arbeitsplatz aus freilich zum All-in-Tarif.
Wann kommt der Winter? Auch hier oben am Multereck in 2.176 Metern Seehöhe hoch über dem Ennstal gibt es Ende September noch keinen einzigen zarten Hinweis auf den eisigen Gesellen – ganz im Gegenteil: Herbst pur. Blauer kann kein Himmel sein. Reihum grüßen Dachstein und Hohe Wildstelle, Wölzer und Rottenmanner Tauern, Gesäuse und in Oberösterreich „Pyhrgas“ und „Priel“.
Blitzschlag legte die Wetter-Station lahm
Von Niederöblarn aus hatte Pilot Alex die beiden Lawinenwarndienst-Techniker Christian Patschok und Hans Stieg mit dem Helikopter „Airbus H 125“ binnen weniger Minuten zum Arbeitsplatz mit diesem Super-Panorama gebracht. Ihr Auftrag heute? „Ein Blitzschlag hat die Wettermess-Station beschädigt. Wir müssen sie warten und winterfest machen“, schildert Christian Patschok, dessen „Homebase“ das Referat Katastrophenschutzmanagement und Einsatzorganisationen in der FAKS ist. Hans Stieg ist so etwas wie der Schneekönig der Tauplitz – viele Jahre Mitglied der Lawinenwarnkommission, Lawinensprengbefugter, Ausbildner.
Dort, wo im Winter meterhoch der windgepresste Schnee liegt, ragen zwei Mess-Stationen rund 30 Höhenmeter versetzt empor. Ganz hoch oben an ihrer Spitze sollte sich das Windrad drehen. Patschok und Stieg packen die Werkzeugkiste aus dem Transportkorb am Helikopter, das Ersatzteil ebenso. „Bis zu 180 technische Einrichtungen im steirischen Hochgebirge liefern uns aktuelle Wetterdaten“, berichtet Patschok, selbst ein Mann der Berge und ehrenamtlicher Bergretter. Die Daten werden per GSM-Netz an die Geosphere Austria übertragen. Gemeinsam mit den Vororterkundigungen der 42 Lawinenkommission ergibt sich der tägliche Lawinenlagebericht – „bekannt ist bei vielen die Lawinenwarnskala 1 bis 5“. Auf dieser Basis werden Pisten oder Straßen gesperrt, notfalls Lawinen gesprengt.
Arbeitsplatz mit Fernblick
Sicherheitsgurte angelegt, Karabiner und Seile fixiert. Abwechselnd turnen Patschok und Stieg meterhoch über Felsengrund, Schraubenzieher, Seitenschneider, Kombizange in den Händen. Schnell sind die Reste des alten Windrads demontiert. Ob der Blitz durchgeschlagen hat? Bis in den Schaltkasten? Auch der Blitzschutz ist gefallen. „Der Stecker ist feucht, aber schaut gut aus“, ruft Hans Stieg von oben. Eine Messung gibt Entwarnung. Zum Glück muss die Verdrahtung nicht getauscht werden. „Das hätte länger gedauert“, sagt Patschok erleichtert. „Wie man sich über die kleinen Dinge freuen kann“, sagt Stieg. Schon dreht sich das neue Windrad – 1,49 Meter pro Sekunde, Südwind, 177 Grad. Ein kurzer Mobilfunkcheck, dann ist diese Station winterfit. Wenig später ist auch die zweite Station im 1A-Zustand. Woran Wind und Wetter gearbeitet haben, das haben Patschok und Stieg mit kräftigen Kabelbindern fixiert – und ihr „Ohr“ ganz nah an das Gerät gelegt, um zu prüfen, ob der Schneehöhenmesser Ultraschallwellen aussendet.
Auch die Messdaten stimmen mit der Natur überein. Schneehöhe: 0. Keine Gefahr im Lawinenhang über PürggTrautenfels. „Früher haben wir den Messturm mit dem Fernglas aus dem Tal abgelesen“, erzählt Hans Stieg. Entsprechend unsicher, denn bei Nebel oder Schneesturm gab es keinen Sichtkontakt. „Und nach drei oder vier Tagen hast Du dann g'wusst, aha, plus vier Meter Schnee.“ Wie die Welt klein wird von oben – Häuser, ja selbst Züge, die durchs Ennstal fahren, Pkw auf der Salzkammergutstraße.
Berghütte im Funkloch
Pilot Alex steuert den Helikopter Richtung Totes Gebirge, dem zweiten Einsatzort: die Pühringerhütte, Seehöhe 1.637 Meter, Kessellage über dem Grundlsee. „Ein totes Eck“, sagt Christian Patschok. Kein Handy-Empfang, kein Funk. „Im Notfall muss der Hüttenwirt per Skylink Hilfe holen.“
Vielleicht würde es mit dem landeseigenen KAT-FunkNetz klappen? Alle Mühe ist vergebens. „Leider nein, da müssen wir nach einer anderen Lösung suchen.“ Ein bisschen Zeit dafür bleibt allerdings eh, denn die Hütte hat vor kurzem die Saison beendet. Die Winterpause wurde auch ohne Winteranzeichen ausgerufen.
Aber der Winter, der kann da wie dort kommen.








A-8010 Graz - Hofgasse 16 - Datenschutz
facebook.com/steiermark
instagram.com/land_steiermark
linkedin.com/company/land-steiermark
