Über Stock und Stein
Marc Andre Rapp steht beruflich mit beiden Beinen am Boden – eine Grundeigenschaft, die ihm als Geologe im Landesdienst entgegenkommt. Manchmal fällt aber auch ihm ein Stein vom Herzen.
Graz (17. August 2026).- „Zu mehr als 80 Prozent in der Natur“, so beschreibt Marc Andre Rapp seinen Arbeitsalltag. Allerdings sind es meist rohe Naturgewalten, die den Geologen im Landesdienst aus dem Büro holen: Steinschlag, Felssturz und Murenabgang, immer öfter nach extremen Wetterereignissen, wenn etwa 100 Liter Niederschlag und mehr pro Stunde auf den Quadratmeter niedergehen. Zumeist kommt dann der Auftrag vom Straßenerhaltungsdienst intern, manchmal auch ein Alarm aus der Landeswarnzentrale. Von Mai bis Oktober ist zudem ein geologischer Bereitschaftsdienst, der von allen Landesgeologen gemacht wird, im Wochenrhythmus zu besetzen.
„Wo kommt das Gestein her? Was ist gefährdet? Was ist dagegen zu tun?“: Das sind die drei zentralen Fragen, die sich Rapp im Katastrophenfall stellt. Und: „Das oberste Prinzip ist Sicherheit. Denn, wo man in der Steiermark fährt, kann man sicher sein.“ Drohen weitere Steine abzustürzen? Rutschen Erdmassen? Müssen Straßen gesperrt, Häuser evakuiert werden? Es sind schwierige Entscheidungen, die Geologe Rapp zu treffen hat.
Um zur Antwort zu gelangen, steigt er dann auch persönlich auf Böschungen und in Hänge ein („Man wird schon dreckig!“), begutachtet das Terrain, prüft, wie locker das Gestein ist, wo es hinfällt, wenn es abstürzt. Rapp: „Auch die Natur gibt Hinweise: Stehen in einem Wald viele Erlen oder Birken, muss es darunter viel Wasser geben.“ Oder wie viele Einschläge welchen Alters haben Steine in Baumrinden hinterlassen?
Um die Gefahr zu bannen, muss die Ursache weg – oder Schutz her: etwa eine imposante Konstruktion aus Baumstämmen, die im Höllentempo binnen fünf Tagen nach einem Murenabgang zum Schutz der B317 bei Scheifling errichtet wurde. Darüber hinaus gibt es mehr als 1.000 dauerhafte technische Schutzbauten gegen Steinschlag und Murengang im Land, auch ihre Prüfung fällt in Rapps Aufgabenbereich.
Vereinfacht kann man sagen: Im Süden rutscht die Steiermark, im Norden stürzen Steine. Rapp kann auch auf einen „guten Ereigniskataster“ zurückgreifen, der frühere Zwischenfälle und Gefahrenpotenziale dokumentiert. „Aber, alles weiß man nie, jede Bohrung ist nur ein Nadelstich in der Landschaft“, räumt der Geologe ein. Vorhersagen seien demnach heikel.
Im Team erfolgreich
Studiert hat er seine Disziplin an der KF Uni Graz und der TU Graz. Gerade, als er sich einschreiben wollte, trug jemand Steine ins Gebäude. „Ihm habe ich geholfen, so bin ich Geologe geworden“, erzählt der Wander-, Reise- und Naturliebhaber. Laut seinen Eltern aber hat er bereits als kleines Kind gerne Steine gesammelt. Sein Fazit heute: „Ich werde für meine Leidenschaft bezahlt.“
„Unsere Arbeit ist Teamwork“, betont Rapp – ohne das „Miteinander“ mit den Kollegen vom Straßenerhaltungsdienst unter der Leitung von Franz Zenz und dem Referat Bauwerkserhaltung und Geotechnik unter Franz Nöhrer geht gar nichts. „Geht nicht, gibt's nicht“, sei sein Motto, sagt Rapp. „Eine Lösung muss möglich sein.“ Und wenn sie sich dann tatsächlich konkret umsetzen lässt, dann fällt auch dem Geologen Marc Andre Rapp dann und wann ein Stein vom Herzen.
Graz, 17. August 2026






Kommunikation Land Steiermark-Aussendungen unter E-Mail: kommunikation@stmk.gv.at
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