„Krötentaxi“ im Einsatz
Naturschutzjugend und Landesrat Hannes Amesbauer bringen Amphibien sicher über die Straße. Mehr als 8.500 Tiere konnten heuer gerettet werden.


Graz (9. April 2026).- Wenn die Temperaturen steigen und feuchte Nächte einsetzen, beginnt in der Steiermark ein stilles, aber eindrucksvolles Naturschauspiel. Die jährliche Wanderung der Amphibien. Kröten, Frösche und Molche verlassen ihre Winterquartiere und machen sich auf den Weg zu jenen Gewässern, in denen sie einst selbst geschlüpft sind. Dort sichern sie durch die Eiablage den Fortbestand ihrer Art.
Doch dieser Weg ist für die Tiere alles andere als ungefährlich. Neben natürlichen Feinden wie Krähen oder Füchsen sind es ebenso Kanaldeckel und Straßenüberquerungen, die zu tödlichen Hindernissen werden können. Besonders nachts, wenn die Tiere unterwegs sind, bleiben sie für Autofahrer meist unsichtbar. Gerade Kröten bewegen sich langsam und brauchen bis zu 15 Minuten, um eine zweispurige Straße zu überqueren. Die bittere Realität – viele von ihnen enden als Leichen, bevor sie laichen können.
Um genau das zu verhindern, ist die Naturschutzjugend Steiermark auch heuer wieder im Einsatz. Entlang bekannter Wanderstrecken rund um Graz werden an Straßenrändern von dieser Organisation schon seit über 27 Jahren temporäre Amphibienschutzzäune aufgebaut. Diese niedrigen Kunststoffbarrieren verlaufen parallel zur Straße und halten die Tiere davon ab, direkt auf die Fahrbahn zu gelangen. Stattdessen werden sie entlang des Zauns geleitet.
In regelmäßigen Abständen sind in den Boden eingegrabene Kübel eingesetzt. Die Amphibien fallen beim Entlangwandern des Zauns in diese Sammelbehälter. Zweimal am Tag werden die Kübel von fleißigen Helfern kontrolliert und mittels „Krötentaxi” auf die gegenüberliegende Straßenseite gebracht, wo sie ihre Wanderung sicher fortsetzen können. Diese einfache, aber effektive Kübel-Zaun-Methode sorgt jedes Jahr dafür, dass zahlreiche Amphibien vor dem Straßentod bewahrt werden. Aufgrund der aktuell sehr warmen Temperaturen sind derzeit noch einige Nachzügler auf dem Weg zu ihren Laichgewässern. Der Großteil der Amphibien hat die Fortpflanzung jedoch bereits abgeschlossen und befindet sich schon wieder auf dem Rückweg. Eine erste Berechnung zeigt, dass bei den Standorten der Naturschutzjugend heuer schon über 8.500 Amphibien vor dem potenziellen Tod auf der Straße gerettet wurden.
Auch Hannes Amesbauer, Landesrat für Natur- und Tierschutz, unterstützte die Aktion persönlich und fungierte selbst als Amphibienchauffeur. Vor Ort machte er sich ein Bild vom Einsatz der freiwilligen Helfer und packte aktiv mit an, um Amphibien sicher ans Ziel zu bringen.
Die Krötenwanderung erstreckt sich je nach Witterung über mehrere Wochen. In dieser Zeit leisten die freiwilligen Helfer einen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt der Biodiversität in der Steiermark. Ihr Einsatz zeigt, dass es oft die kleinen Maßnahmen sind, die Großes bewirken: „Naturschutz beginnt mit konkretem Handeln. Man muss sich nicht auf Straßen festkleben, sondern kann auch ganz ergebnisorientiert dazu beitragen, unsere heimische Biodiversität und Tierwelt zu schützen. Der Einsatz der Naturschutzjugend zeigt eindrucksvoll, wie viel mit Engagement und positivem Gestaltungswillen erreicht werden kann”, so Landesrat Hannes Amesbauer.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Maßnahmen vor Ort ist die Entnahme von Wasserproben im Rahmen des vom Land Steiermark geförderten Projekts „Amphibien quacken um Hilfe”. Ziel dieses Projekts ist es zu untersuchen, ob der für Amphibien gefährliche Chytridpilz, der Tiere pandemisch befällt und töten kann, in Graz beziehungsweise im Norden von Graz vorkommt. Hintergrund ist ein Verdachtsfall aus dem vergangenen Jahr, der nun wissenschaftlich überprüft wird.
„Durch dieses Projekt möchten wir frühzeitig diese neue mögliche Gefahr für die Amphibien erfassen, bevor sie uns unvorbereitet überrascht”, so Oliver Gebhardt, der Landesleiter der Naturschutzjugend.
Rückfragehinweis:
Marco Sterk | Büro Landesrat Amesbauer | Mobil: +43 676 8666 6753
Tel. +43 (316) 877 6753 | E-Mail: marco.sterk@stmk.gv.at
Graz, am 9. April 2026
Kommunikation Land Steiermark-Aussendungen unter E-Mail: kommunikation@stmk.gv.at
zur Verfügung.
