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Medienfreiheit und politische Kandare

Steirischer Medienfrühling 2018

Peter Plaikner präsentierte die neuesten Zahlen und Fakten aus der Medienlandschaft © steiermark.at/Streibl; Verwendung bei Quellenangabe honorarfrei.
Peter Plaikner präsentierte die neuesten Zahlen und Fakten aus der Medienlandschaft
© steiermark.at/Streibl; Verwendung bei Quellenangabe honorarfrei.

Graz (26. April 2018).- Gestern Abend (25.04.2018) präsentierte Medienexperte Peter Plaikner im Medienzentrum Steiermark auf Einladung der Landeskommunikation die neuesten Zahlen, Daten und Fakten aus der heimischen Medienlandschaft. Etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter wieder viele bekannte Gesichter aus der Grazer Medienszene, waren gespannt auf die Statistiken und Interpretationen des Experten. Ungewohnt ernst der Einstieg ins Thema, nämlich: „Wir müssen reden - über Facebook, über den ORF und über die österreichische Medienlandschaft."

Zentrales Thema diesmal - wie war es anders zu erwarten - der Datenklau-Skandal von Facebook und die weitreichenden Konsequenzen für Nutzerinnen und Nutzer der Plattform, gibt es schließlich sage und schreibe 33.568 Betroffene der Cambridge Analytica-Affäre österreichweit, weltweit sind es sogar 87 Millionen! „Betrachtet man die Zahlen der österreichischen Facebook-Nutzerinnen und -Nutzer, so ist dies doch eine beachtliche Zahl”, so der Experte. Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen diesmal auch die Algorithmus-Änderungen von Facebook, von denen vor allem die Rückreihung der Unternehmensmeldungen den europäischen Markt treffen. Demnach will Facebook „die Leute glücklicher machen, indem nun mehr News aus dem Freundeskreis vorgereiht werden, also lokale Neuigkeiten (local News) im Newsfeed bevorzugt werden." Laut Plaikner hätten viele Unternehmen diesen Ausdruck jedoch falsch interpretiert, damit seien nämlich keineswegs News von lokalen Medien gemeint gewesen, sondern schlussendlich nur die Publisher, also alle Nutzerinnen und Nutzer, die etwas auf Facebook artikulieren. Schwer zu schaffen mache Facebook auch die neue Datenschutzverordnung (DSGVO), welche ab 25. Mai in Kraft tritt. „Das macht Zuckerberg und Co immensen Druck", ist sich Plaikner sicher.

Inwiefern sich das Nutzungsverhalten privater Personen nach dem Datenschutz-Skandal geändert hat, kann Plaikner allerdings noch nicht einschätzen. „Schauen Sie am besten in den nächsten Tagen auf Ihre Facebook-Freundeslisten, dann können Sie ja selbst sehen, ob private Nutzerinnen und Nutzer eine Konsequenz daraus gezogen haben”, wirft er in den Raum. Eines ist aber klar: Journalistinnen und Journalisten wie ORF-Anchorman Armin Wolf und Puls-4-Infochefin Corinna Milborn haben bekanntgegeben, in Zukunft Facebook nur noch als Ankündigungsplattform zu verwenden. Eigene Inhalte werden sie ausschließlich auf ihren eigenen Blogs posten. Auch ORF-Internet-Chef Thomas Prantner erwähnte im Interview mit dem „Handelsblatt”, dass ein Rückzug von Facebook derzeit diskutiert werde.

Weitere Social Media-Plattformen auf dem Vormarsch

Auszug aus Peter Plaikners Präsentation © Peter Plaikner
Auszug aus Peter Plaikners Präsentation
© Peter Plaikner

Auf den „restlichen" Social Media-Plattformen zeigt sich ein nahezu unverändertes Bild zum Vorjahr: Plaikners Vorjahrsprognose zum Thema Instagram als neue Unternehmensplattform scheint sich zu bewahrheiten. „Zahlreiche Unternehmen verstärken massiv ihre Präsenz auf Instagram, vor allem, um die junge, auf Facebook verloren gegangene Zielgruppe wieder zu erreichen." Twitter sei nach wie vor die am meisten unterschätzte Plattform. Laut Expertenmeinung werde sich „in Zukunft viel in punkto Content auf Twitter verlagern, bedingt durch die Algorithmus-Änderungen auf Facebook", bestätigt Plaikner. Inwiefern sich das für Österreich, wo Twitter meist nur „in elitären Kreisen Gebrauch findet", bewahrheiten wird, könne man vor allem deswegen nicht ganz abwägen, da es keine vertrauenswürdigen Statistiken zur österreichischen Twitter-Landschaft gibt. Beachtenswert sei auch die Tatsache, dass mittlerweile rund 90 Prozent aller Smartphone-User in Österreich über "WhatsApp" kommunizieren. Auch wenn die Texting-App von den Wenigsten als soziales Netzwerk oder Medium gesehen wird, wird WhatsApp immer mehr "zum Träger kommerzieller, professioneller Kommunikation", betonte Plaikner. Interessant sei auch der rasante Anstieg der Nutzerzahlen der relativ neuen Plattform Vero, die allein seit März 2.850.000 App-Downloads zu verzeichnen hat.

Gratisblätter verlieren

Auszug aus Peter Plaikners Präsentation © Peter Plaikner
Auszug aus Peter Plaikners Präsentation
© Peter Plaikner

Gewinner gibt es bei der diesjährigen Media-Analyse im Printbereich einige. Spannenderweise haben vor allem die überregionalen Medien mit den kleineren Reichweiten dazugewonnen, die in der „Top 10-Liste" auf den Rängen 6 bis 10 liegen. So kann sich „Der Standard" über 6,5 Prozent (im Vorjahr 5,3) freuen, die OÖ Nachrichten über 5 Prozent (4,8), „Die Presse" über 4,2 Prozent (4,0), die Tiroler Tageszeitung über 4 Prozent (3,7), und die Salzburger Nachrichten über 3,5 Prozent (3,4). Auf den ersten Rängen ging es leicht abwärts, erstaunlicherweise auch  - erstmals seit vielen Jahren -  für die Gratisblätter. Auf dem ersten Platz liegt die Kronenzeitung mit 29,2 Prozent (im Vorjahr waren es noch 30,5) Reichweite vor dem Gratisblatt „Heute" mit 12,6 Prozent (13,3) und vor der „Kleinen Zeitung" mit 10,5 Prozent (11,6). Der Kurier liegt mit 7,3 Prozent Reichweite (7,6) auf Platz 4, gefolgt vom Gratisblatt Österreich mit 7 Prozent Reichweite (7,8 im Vorjahr).

Graz, am 26. April 2018

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